Bayerisches Staatswappen
Projekt

"demonstration farms" - nährstoffangepasste Fütterung in schweinehaltenden Betrieben

Im Fokus des Projekts "demonstration farms" steht die gesamtbetriebliche Betrachtung des Nährstoffkreislaufes schweinehaltender Betriebe, wobei der Schwerpunkt auf die Fütterung gelegt wird. Das Thema Nährstoffkreislauf wird durch die Zusammenarbeit mit 22 bayerischen Ferkelerzeuger- und Schweinemastbetrieben praxisnah angegangen. Zudem wird der Austausch zwischen schweinehaltenden Betrieben zum Thema stickstoff- und phosphorreduzierte Fütterung und deren Auswirkungen auf den betrieblichen Nährstoffhaushalt gefördert. Im Projekt werden neue Wege im Wissenstransfer durch die Nutzung neuer Medien (Online-Datenplattform zum Benchmarking und Austausch) beschritten.
Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert. Die Projektverantwortlichkeit liegt bei der Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft. Die Betreuung der Betriebe vor Ort erfolgt durch die „Ansprechpartner Futter und Fütterung“ an den zuständigen Fachzentren für Schweinezucht und –haltung der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Unterstützt wird das Projekt vom Verbundpartner, dem Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e.V. (LKV Bayern) über deren Ringberater sowie die Fleischerzeugerringe.

Hintergrund

Die bedarfsgerechte Versorgung von Schweinen mit Stickstoff (N) beziehungsweise Aminosäuren und Phosphor (P) steht mehr denn je im Mittelpunkt des Interesses. Nicht nur ernährungsphysiologisch sollte eine Überversorgung mit Nährstoffen vermieden werden, eine bedarfsgerechte Fütterungsstrategie bringt auch ökonomische Vorteile. Zudem wird aus umweltpolitischen Gesichtspunkten eine nährstoffangepasste Fütterung für die schweinehaltenden Betriebe zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen. Die Einhaltung der NEC-Richtlinie (EU 2016/2284) zur Reduktion der nationalen Emissionen bestimmter Luftschadstoffe ist ein weiterer Grund für eine N-/P-reduzierte Fütterung, da die Bundesrepublik Deutschland sich verpflichtet hat, die Ammoniakemissionen, für welche die Landwirtschaft zu ca. 95% verantwortlich ist, bis zum Jahr 2030 um 29% (Basisjahr 2005) zu reduzieren.
Die Novellierung der Düngeverordnung (DüV), welche am 02.06.2017 in Kraft trat, bringt zusätzlich eine Verschärfung der Vorgaben im Bereich des Nährstoffmanagements mit sich. So entscheiden bei der DüV beispielsweise die im Futter enthaltenen N-Gehalte über den Flächenbedarf, über welchen ein landwirtschaftlicher Betrieb zur Einhaltung der 170 Kilogramm Stickstoff-Regelung aus Wirtschaftsdünger verfügen muss. Neben der DüV wird sich zukünftig auch die ab dem 01.01.2018 in Kraft getretene Stoffstrombilanzverordnung (StoffBilV) stark auf die Fütterung der betroffenen Betriebe auswirken. Im Zusammenhang mit einer gesamtbetrieblichen Betrachtung der Nährstoffflüsse werden die Landwirte mehr Augenmerk auf die Futtermittelzukäufe als Nährstoffinput in ihre Betriebe legen. Bei der StoffBilV wird neben N auch P betrachtet und bilanziert. Zusätzlich muss der N-Saldo bewertet werden. Für P steht eine Bewertung derzeit noch aus.

Zielsetzung

Das Ziel des Projektes ist die verstärkte Umsetzung der nährstoffangepassten Fütterung in der Praxis. Da die Betrachtung des gesamtbetrieblichen Nährstoffhaushaltes stärker in den Fokus rückt soll ̶ zusammen mit den Praxisbetrieben, den "demonstration farms", und den weiteren Beteiligten Institutionen und Personen ̶ dieses Thema insbesondere aus dem Blickwinkel der Fütterung gemeinsam bearbeitet werden.

Methode

  1. Aus allen bayerischen Regierungsbezirken wurden 22 interessierte Ringbetriebe (9 Betriebe mit Ferkelerzeugung und 13 Betriebe mit Schweinemast für das Projekt gewonnen.
  2. Zusammen mit den Ansprechpartnern Futter und Fütterung der Fachzentren für Schweinezucht und -haltung und den Ringberatern des LKV Bayern wird in diesen Betrieben das „Gesamtsystem Schweinefütterung“, das heißt vom Futter bis zur Ausscheidung betrachtet.
  3. Die betriebseigenen Futtermittel und auch die jeweiligen Rationen werden im Gruber Futtermittellabor auf ihre Rohnährstoff-, Aminosäure- sowie Mineralstoffgehalte analysiert und anschließend verglichen.
  4. Im Rahmen des Projektes werden Auswertungen und Betriebsvergleiche auf einer Online-Plattform für die teilnehmenden Betriebe bereitgestellt und - wenn möglich - Optimierungspotenziale in der Fütterung aufgezeigt.
  5. Es soll ein intensiver Austausch zwischen den Betrieben stattfinden; dazu können Erfahrungen im Bereich der Umsetzung der nährstoffangepassten Fütterung gesammelt werden.
  6. In einem letzten Schritt wird das Thema Umweltwirkung, das heißt die N- und P-Ausscheidungen detailliert beleuchtet. Anhand von Nährstoffbilanzen (Nährstoffaufnahme minus Nährstoffansatz ist gleich Nährstoffausscheidung) werden alle Betriebe bilanziert.
  7. Des Weiteren wird für jeden teilnehmenden Betrieb eine gesamtbetriebliche Nährstoffbilanz erstellt anhand derer Ansatzpunkte zur Optimierung aufgezeigt werden.
Betrieblicher Nährstoffkreislauf als Graphik